Bachelorschelte: Führt der Bachelor tatsächlich zur Berufsreife?

Derzeit scheint die Schelte am Bachelor ganz groß in Mode zu sein: Der Chef des Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, bekundet großen Unmut über die vermeintlich mangelnden Fähigkeiten der Bachelorstudenten, ein Konstanzer Professor beklagt gar die Faulheit und fehlende Motivation der Studierenden. Was ist tatsächlich dran an diesen Vorwürfen?

Gibt es zu viele Studenten in Deutschland?

Eric Schweitzer ist in seinem Element: Der Präsident der deutschen Industrie- und Handelskammern beklagt eine steigende und zu hohe Akademisierung in Deutschland. Es gäbe zu viele Studienplätze und zahlreiche Studenten, die eigentlich an einer Hochschule nichts zu suchen hätten. Diese wären mit einer dualen Ausbildung besser dran. Schweitzer unterstreicht seine Auffassung mit den Ergebnissen einer Umfrage, die seine DIHK unter 2000 deutschen Unternehmen durchgeführt hatte. Gemäß dieser Studie seien lediglich 47 % der Betriebe mit der Leistung der Bachelorstudenten zufrieden – ein Wert, der seit der Einführung der Abschlüsse Bachelor und Master vor 10 Jahren kontinuierlich gesunken ist und sich nun auf seinem bisherigen Tiefstand befindet.

Studium nur für die Elite?

Bachelorschelte

Quelle: Fotolia - © Imillian

Aktuelle Diskussion: Führt der Bachelor tatsächlich zur Berufsreife?

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Denn DIHK-Präsident Schweitzer wirbt natürlich für eine Ausweitung der dualen Ausbildung, denn dafür zeigen sich die Industrie- und Handelskammern des Landes verantwortlich. Abiturienten sollen sich für eine duale Ausbildung – und das am besten im handwerklichen oder IT-Bereich – entscheiden. Der Hintergrund ist, dass Unternehmen zwar händeringend Auszubildende suchen, aber am liebsten nur junge Leute mit Hochschulreife einstellen wollen: Diese sind älter, weisen eine höhere persönliche Reife sowie einen höheren Bildungsgrad auf – und unterliegen in der Regel nicht mehr dem Jugendarbeitsschutzgesetz bzw. können eher für anspruchsvollere Tätigkeiten schon während der Ausbildung herangezogen werden. Real- und Hauptschüler – selbst die mit einem guten Abschluss – haben dagegen das Nachsehen.

Ihnen wiederum wird eine mangelnde Ausbildungsfähigkeit nachgesagt, dabei sind sie einfach sehr viel jünger als durchschnittliche Abiturienten und mitten in der Pubertät – mit allen dazugehörigen Problemen. Die Auswertung der jährlichen Vergleichsarbeiten sowie die PISA-Studien zeigen jedoch, dass das Niveau der schulischen Ausbildung seit Jahren kontinuierlich steigt, auch wenn zahlreiche Spötter das Gegenteil zu vernehmen meinen. Vor diesem Hintergrund erscheint die Forderung Schweitzers, die Studienplätze wieder zu begrenzen und an Gymnasien verstärkt für eine Ausbildung zu werben, gefährlich. Denn für eine derartige Werbung sind besonders Kinder aus nicht akademischen Elternhäusern sehr empfänglich. Diese würden sich eher für eine Ausbildung denn ein Studium entscheiden und somit die Chance für einen sozialen Aufstieg ausschlagen. Das Studium wäre wieder das, was es schon vor 30 Jahren war: Eine steuerfinanzierte akademische Ausbildung nur für die Elite.

Bachelor = Diplomabschluss?

Zudem erscheint die Schelte ungerechtfertigt, denn bekanntlich lassen sich nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Den Bachelorabsolventen werden mangelnde berufliche Praxiskenntnisse sowie mangelnde akademische Kenntnisse vorgeworfen – für die sie jedoch nichts können. Einerseits stellt ein Bachelorstudium von seinem akademischen Anspruch her lediglich ein Grundlagenstudium dar, die wissenschaftliche wie praktische Vertiefung erfolgt erst im aufbauenden Masterstudium. Ein Bachelorabsolvent kann daher nicht mit einem ehemaligen Diplom- oder Examenskandidaten oder mit einem Magister (heute Master) verglichen werden, wie es oft geschieht.

Zum anderen werden universitäre Studienabsolventen mit den Absolventen einer Fachhochschule in einen Topf geworfen. Universitäten haben den Anspruch, ein wissenschaftlich-forschendes Studium anzubieten und sind nicht für eine praxisnahe Ausbildung ausgelegt, wie die Wirtschaft sie verlangt. Diese Aufgabe obliegt seit jeher den Fachhochschulen. Doch eine Differenzierung zwischen diesen beiden Hochschularten und damit zwischen den durchaus unterschiedlich zu wertenden Abschlüssen erfolgt in der Umfrage nicht. Mit Sicherheit würde dabei ein sehr differenziertes Bild erscheinen.

Warum Studenten nach der Bachelor die Hochschule verlassen

Aus der Umfrage geht auch hervor, dass der größte Teil der Unternehmen mit den Masterabsolventen sehr zufrieden ist. In der Tat schließt ein Großteil der deutschen Studierenden ein Masterstudium an den Bachelor an – und erzielt damit die von der Wirtschaft gewünschte Berufsreife. In vielen Berufen ist zudem ein Bachelorstudium allein wertlos, so dürfen sich etwa Psychologen mit lediglich einem Bachelorabschluss nicht „Psychologe“ nennen. Auch vielen Ingenieuren fehlt nach dem Bachelor die notwendige fachliche Vertiefung, um überhaupt als Ingenieur entsprechend tätig werden zu können. Doch mit dem anschließenden Masterstudium ist das so eine Sache, denn Bachelorabsolventen, die keinen Master anschließen, tun dies vor allem aus drei Gründen:

  1. Sie finden keinen adäquaten Masterstudienplatz.
  2. Sie wollen erst einmal Berufserfahrung sammeln, um sich danach eventuell weiter zu qualifizieren.
  3. Sie haben kein Interesse an einer weiteren wissenschaftlichen Ausbildung, etwa, weil diese zu schwer erscheint oder sie lieber in ihrem Bereich arbeiten wollen.

Ein Masterstudium anschließen

Wer nach dem Bachelor die Hochschule verlässt, weil entweder kein Studienplatz für den Master mehr frei war oder erst Berufserfahrung gesammelt werden soll, kann seine wissenschaftliche Fortbildung auch problemlos über ein Fernstudium bzw. Studium neben dem Beruf fortsetzen. Ein hochwertiges und allseits anerkanntes Fernstudium ist etwa über die Fernhochschule Hagen möglich. Des Weiteren werden berufsbegleitenden sowie Fernstudiengänge auch von zahlreichen staatlichen Universitäten und Fachhochschulen sowie von privaten Hochschulen angeboten. Eine solche Ausbildung ermöglicht eine engere Verzahnung von Theorie und Praxis – und damit die Chance, im Beruf aufzusteigen und qualifiziertere Aufgaben zu übernehmen.

AUTOR

Kevin Schroer

Hier schreibt für Sie Dipl. Kfm. Kevin Schroer - Seit meinem Studium an der Leuphana Universität Lüneburg, im Fachbereich Betriebswirtschaft, schreibe ich für SIe über Fernstudiengänge und Fernkurs aus den Bereichen für Sprachen & Schulabschlüsse.

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